Fledermäuse und ihre Quartiere
Die nachtaktiven Fledermäuse verstecken sich tagsüber in Spalten und Hohlräumen in Bäumen, Höhlen und Gebäuden. Erst in den Dämmerungsstunden verlassen sie diese Quartiere, um sich auf nächtliche Insektenjagd zu begeben. Gebäude fungieren für Fledermäuse als Ersatz für natürliche Fels- und Baumhöhlen. Hier finden Fledermäuse Unterschlupf z.B. in Dachböden, hinter Holzverschalungen oder in Mauerrissen. Nur wenige Arten hängen im Dachboden frei von der Decke.
Fledermäuse sind im Jahreslauf auf eine Vielzahl unterschiedlicher Quartiere angewiesen, die den unterschiedlichen Ansprüchen der Tiere zu den verschiedenen Jahreszeiten gerecht werden, z.B. für die Jungenaufzucht im Sommer (Wochenstubenquartiere), für Balz und Paarung im Herbst (Balzquartiere) oder für den Winterschlaf (Winterquartiere).
In allen Quartieren sind die Fledermäuse störungsanfällig, besonders gilt dies jedoch für die anstrengende Jungenaufzucht und für den langen Winterschlaf – in beiden Fällen sollten Quartiere nach Möglichkeit nicht beunruhigt werden. Mit etwas Wissen um die Tiere und Beratung durch Fledermauskundler lassen sich fast alle Problemfälle mit Fledermäusen an Gebäuden oder in Bäumen lösen.

 

Gebäudebewohnende Fledermäuse
Fall 1: Sanierung von Gebäuden mit Fledermausquartier
Steht die Sanierung eines Dachstuhls, die Sanierung oder gar der Abriss eines ganzen Hauses an, ist auf Fledermausquartiere Rücksicht zu nehmen. Für Fledermausquartiere am Haus besteht nach § 44 BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz) eine gesetzliche Duldungspflicht. Sanierungsarbeiten oder Umbauten können aber fast immer nach behördlicher Genehmigung durch die zuständige Naturschutzbehörde in der Zeit durchgeführt werden, wenn keine Fledermäuse das Quartier nutzen. Vor den Sanierungsarbeiten ist durch einen Fledermauskundler abzuklären, in welchen Zeiträumen das Quartier von den Tieren genutzt wird und wann dementsprechend die Bauarbeiten durchgeführt werden können – die naturschutzrechtliche Genehmigung kommt dann von der zuständigen Naturschutzbehörde.
Wird ein Gebäude saniert, können z.B. in die Dämmung Einbausteine eingelassen werden, die den Einflug in ein bereits vorhandenes Quartier offenhalten. Bei Gebäudeabriss und
-neubau ist das Fledermausquartier wieder an gleicher Stelle bzw. in der Nähe herzustellen. Dafür eignen sich z.B. die Einbausteine in der unteren Kastenreihe.

Fall 2: Neuschaffung eines Fledermausquartiers am Gebäude
Wer den nächtlichen Insektenjägern gern einen neuen Unterschlupf anbieten möchte, kann - angepasst an die Architektur und Optik des Hauses - zwischen vielen Möglichkeiten wählen kann.
Eine Holzverschalung am Giebel (an der Schauwand ganz oben) aus unbehandeltem, rauem Holz mit vielen Spalten wird von den Fledermäusen gern genutzt. Zahlreiche Anregungen für unterschiedliche Quartiertypen sind z.B. im  „Baubuch Fledermäuse“ (von Markus Dietz & Marion Weber) zu finden. Flachkästen aus Holzbeton (obere und mittlere Kastenreihe), die an der Fassade angebracht werden, sind bei Fledermäusen ebenso beliebt.
Wer einen Hausneubau plant und dabei auch den Fledertieren Gutes tun will, kann Quartiersteine in die Fassade einbauen (untere Kastenreihe).

Baumbewohnende Fledermäuse –  Mit Fledermausblick durch den Putbuser Schlosspark
Parkanlagen im Siedlungsbereich stellen für Fledermäuse einen wichtigen Lebensraum dar: Aufgrund des Altbaumbestandes bieten sie den Baum bewohnenden Fledermausarten hervorragende Quartiermöglichkeiten. In den Parkanlagen befindliche Gewässer, Wiesen und  Alleen dienen den nächtlichen Insektenfressern als Jagdgebiete.
Parkeigentümer sind beim Erfüllen der Verkehrssicherungspflicht an die gesetzlichen Artenrechtsbestimmungen gebunden – ebenso verhält es sich mit Waldeigentümern bei Durchführung der ordnungsgemäßen Waldwirtschaft. Sind Fledermausquartiere in zu fällenden Bäumen bekannt oder können sie aufgrund von Hohlraumstrukturen im Baum vermutet werden, so ist auch hier der Eigentümer zum Ersatz verpflichtet (z.B. Aufhängen von Fledermausbaumkästen).

Wir laden Sie ein, auf einem kleinen Rundgang den Schlosspark Putbus aus Sicht der Fledermäuse zu erkunden und wahrzunehmen. Lassen Sie sich dabei von dem Faltblatt „Erlebnis Fledermaus auf eigene Faust“ [ Faltblatt]   leiten und begleiten

 

 

 

 

 


Wer und was ist bei der Naturschutzarbeit versichert? Bin ich auch geschützt, wenn ich auf dem Weg in die Vorstandssitzung einen Unfall erleide?